Freitag, 19. August 2016

Ein Bild im Netz, Bakterien im Darm und griechische Spitäler

Halli Hallo

Heute mal ohne Fotos...

Grad von den Ferien zurück, sehe ich, was das Wetter angeht, keinen Unterschied wie vor 4 Wochen als ich mich auf den Weg nach Griechenland gemacht habe. Es regnet immer noch. Und obwohl ich euch hier keine schönen Fotos von meinen Ferien zeigen kann, weil mein Fotoapparat kaputt gegangen ist als ich dort ankam, dachte ich, ich schreib heute doch einen Post für euch, denn immerhin waren einige, anlässlich meines letzten Instagram Fotos doch etwas besorgt.

Zugegeben ich hab mir nicht viel überlegt, als ich es gepostet habe. Ich lag einfach auf einem Bett in einem Spital in Griechenland und vor mir dieser Tropf an dem ich hing, der im Sekundentakt, irgend welches Zeug (weiss jemand was da eigentlich genau drin ist?) in meine Venen beförderte. Das so ein Bild Besorgnis auslösen kann, ist mir dann erst im Nachhinein so richtig bewusst geworden, denn eigentlich ging es mir blendend zu dieser Zeit.

Ja ich muss gestehen, das fiese Instagram, social media Zeug hatte mich während den Ferien voll im Griff! Und das obwohl ich sonst nicht zu den Menschen gehöre die immer auf ihr Smart Phone schauen. Im Gegenteil ich bin eigentlich immer die, die Nachrichten und verpasste Anrufe erst einen Tag später sehe. Aber wir erinnern uns, mein Fotoapparat war kaputt und das Smart Phone, das einzige, mit welchem ich hi und da ein Bild machen konnte, von unseren bis dahin tollen Ferien.

Aber wie kam es zu diesem Bild? Eigentlich hat alles ganz harmlos angefangen. Mit einer kleinen Magenverstimmung 4 Tage vor unserer Abreise in die Schweiz. Darauf folgten höllische Magenschmerzen mit Magendarm Symtomen. Alles kein Problem dachte ich, man hat ja Kinder und so eine Magendarm Grippe hat man mindestens ein mal im Jahr. Sie gehört zu den unangenehmen Dingen, aber wenn man nichts isst und schaut, dass man genug Flüssigkeit zu sich nimmt, ist sie nach 3 Tagen durch und alles ist ok.

Das war es auch die ersten zwei Tage. Bis ich plötzlich nur noch Blut in der Kloschüssel hatte. Ich ignoriere solch Symptome ja gerne mal. Vor allem wenn ich in einem fremden Land bin. Bzw. in einem südlichen Land. Denn wenn ich vor etwas Horror hatte, dann vor einem Spitalbesuch in Griechenland.

Obwohl ich noch nie in einem Spital war, hatte ich so meine Vorstellungen wie es dort zu und her geht. Ich muss natürlich auch sagen, dass meine Eltern da auch ganz viele Horrorgeschichten zu erzählen wissen, die ich natürlich schon 100 mal gehört habe.

Na ja, Blut im Stuhl darf man aber nicht ignorieren. Das meinte Google auf jeder Seite die ich geöffnet habe. Ja, ich gehöre zu den googlerinnen, die sich bei jedem kleinen Symtom, stundenlang im Netz rumtreiben ohne hinterher schlauer zu sein. Aber weil es nun mal viel Blut war, hab ich mich überwunden und das nächste Spital aufgesucht. Natürlich total wiederwillig. Man kann jetzt sagen, wer sucht freiwillig ein Spital auf? Niemand natürlich, aber wenn man das Spital schon von draussen sieht und es einem an ein verfallenes Gebäude erinnert, dann überlegt man es sich halt doch ein paar mal, ob man sich da rein begeben möchte, vor allem wenn man noch an die 100 Geschichten denkt.

Ihr müsst euch so in das Jahr, sagen wir mal 1943, zweiter Weltkrieg versetzten und euch so ein Lazarett vorstellen. Mit diesen alten Betten aus Eisen, so wie uns das im Film gezeigt wird. Schreiende und teilweise blutende Soldaten bzw. in unserem Fall hier normale Menschen. Rumrennendes Pflegepersonal, dass nicht mehr nachkommt mit der Versorgung und dazwischen noch die Angehörigen. Denn, gehst du in Griechenland in ein Spital, dann musst du 3 Sachen unbedingt mitnehmen. Das Wichtigste zuerst:

Einen Angehörigen.
Das kann irgend jemand sein, es wird nicht danach gefragt. Alleine im Spital, heisst, dass du dir wenn du z.B. durst hast, Wasser selber besorgen musst. Und das am Kiosk, der praktisch alles hat, aber auch nicht grad um die Ecke ist. Von WC Papier über Kaffee, Desinfektionsmittel, Zeitschriften und und und. In der Notfallaufnehme sowie im Patientenzimmer, hast du diese Dinger nämlich nicht. Wenn's blöd läuft, hast du nicht mal ein Kissen oder eine Decke.

Hygieneartikel:
Das gibt es einfach nicht. Bzw. gibt es schon, irgendwo im ganzen Spitalkomplex an diesem Kiosk. Der Angehörige ist dafür zuständig, dass du die auch bekommst. Selber mitbringen oder dort am kaufen. Essen wird zwar serviert, aber zu trinken bekommst du nichts.


Einen Dolmetscher:
Auch als Auslandgrieche brauchst du einen. Weil diese medizinischen Ausdrücke versteht keiner der nicht dort geboren wurde. Ich meine mein Griechisch ist gut, ich kann mich im Alltag sehr gut verständigen.  Aber Nachrichten schauen und Ärzte verstehen auf griechisch, da hab ich keine Chance. So musste ich der Ärztin nach dem ersten Satz einfach sagen: "Du musst mit mir wie mit einem Kind sprechen. Also vergiss diese Fachausdrücke und sprich über Pipi und Kaka."

Ein weiterer Punkt wäre die Geduld. Aber die braucht man auch hierzulande in einem Krankenhaus.
Wobei bei mir, trotz total überfüllter Notfallstation alles sehr schnell ging. Als ich das Blut erwähnte, wurde mir sofort eine Kanüle eingesetzt und ich an einen Tropf angeschlossen, dann durfte ich mich auf ein Bett legen.

So, und da lag ich nun auf dem Bett und hatte diesen Tropf vor mir. Mir persönlich ging es gut. Ich war ja nur da, weil Google meinte, das ich da unbedingt, dringend hin muss. Das meinten die Ärzte dann auch. "Du verlierst Blut und wir müssen wissen warum," hiess es nach der Blutuntersuchung. Also wurde ein quitschender Tisch herbei geschleift (ok er hatte Räder, aber die rollten nicht) auf welchem ein wichtiges Gerät stand.

Ich kam mir wie Frankensteins Monster vor, als man mir an beiden Armen und Beinen so riesige Zangen befestigte um ein EKG zu machen.

"Wir behalten dich heute sicher hier" meinte die Ärztin. Ich natürlich, total in Panik, denn ich wollte keine Nacht dort verbringen, meinte: "Nein!" Ich muss nach Zürich! Sofort! Ich fahre jetzt nach Athen und nehme den nächsten Flieger." "Doch, doch du bleibst hier, ich lass dich nicht gehen" meinte sie und verschwand hinter dem Vorhang. Sie kam dann nochmals kurz rein und meinte: "Übrigens, die haben da einen Fehler mit deinem Alter gemacht. Da steht 38, wie alt bist du?" Ich so: "Kein Fehler, ich bin 38!" Sie, total schockiert. "Oh bitte entschuldigen SIE, ich dachte SIE seien so ca. 25. Die 38 sieht man IHNEN gar nicht an! Wir müssen SIE noch röntgen." Und weg war sie.

Danach kam eine hektische Krankenschwester und meinte ich müsse in den ersten Stock hoch um mich röntgen zu lassen, aber sie habe im Moment keinen Rollstuhl für mich. Kein Problem dachte ich, nahm meine Tropf in die Hand und lief los.  Es ging mir ja gut! Die hektische Krankenschwester hinterher in jedem Zimmer den Gang runter einen Rollstuhl suchend. Beim Fahrstuhl angekommen sah sie meinen Angehörigen an und meinte: "Suchen Sie unbedingt einen Rollstuhl, der Lift befindet sich gleich hier auf der linken Seite. Er funktioniert leider nicht. Die Treppe ist auf der rechten Seite." Ja dann, brauchen wir dringend einen Rollstuhl, damit mein Angehöriger mich drauf setzen und mich dann die Treppe rauf tragen kann!!!??

Das sind dann so diese Momente, über die man sich, wenn es einem natürlich gut geht, kaputt lachen kann.

Von der Peinlichkeit im Röntgenzimmer will ich hier gar nicht gross erzählen. Ich kann nur sagen, dass mein Mann vorher am Strand, denn da kam ich grad her, mein Bikinioberteil hinten so fest zusammengebunden hatte, dass der arme Röntgenmann den Doktor gemacht hat, bis er diesen Knoten auf hatte. Ich konnte das Oberteil ja nicht einfach überstreifen mit der Kanüle im Arm und den Tropf in der Hand.

Zurück in der Notaufnahme war alles bereit um mich ins Zimmer zu bringen wo ich die Nacht verbringen sollte. Ich lag wieder auf dem Bett und ein 2 Meter Mann kam, um mich in mein Zimmer zu bringen. Ich dachte natürlich der schiebt mich jetzt mit dem Bett ins Zimmer. So wie das hier zu Lande üblich ist. "Bist du bereit?" fragte er. Ich nickte. Er hängte den Tropf vom Gestell und meinte. "Steh auf, wir laufen los."  Und so liefen wir. Der zwei Meter Mann vorne den Tropf tragend und ich hinterher in das Zimmer. Ich durfte mir ein Bett aussuchen, er hängte den Tropf wieder auf die Stange und sagte: "Gute Nacht."

Als ich dann auf dem Bett sass, bekam ich einen Lachanfall. Sorry das war zu viel. Ok ich konnte wenigstens lachen, mir ging es ja gut. Natürlich war da eine Besorgnis, des verlierenden Blutes wegen, aber ich dachte mir, wenn ich so viel Blut verliere, dann müsste mir doch irgendwie schwindlig sein. Aber nichts war.

Als das Zimmer dann voll wurde mit Patienten denen es wirklich nicht gut ging musste ich dann mal meinen Tropf packen und nach draußen eine rauchen gehen. Das Gestell hatte zwar Räder, aber auch die rollten nicht und so in den Gängen rum schleifen wollte ich es nicht.

Schlafen konnte man nicht wirklich, denn man hatte die Patienten um sich, denen es wirklich nicht gut geht und deren Angehörige. Schnarchen, stöhnen, weinen die ganze Nacht. Ärzte, Krankenschwestern die rein und raus laufen. Krankengeschichten die man gar nicht wissen möchte... bekommt man alles mit. Null Privatsphäre. Eine Klimaanlage... immerhin.

Am nächsten Morgen Punkt 10 Uhr kamen sie dann, die Götter in weiss. Alle gleichzeitig zu jedem Patienten. Ok, da waren Vorhänge die einem vielleicht etwas Privatsphäre gegeben hätten, während den Untersuchungen, aber die konnte man nicht ziehen weil sonst kein Platz da gewesen wäre. Da standen überall Angehörige rum.

Der Doktor, meinte dann, mann müsse mich noch eine Nacht dort behalten. Die Röntgenaufnahmen hätten nichts gezeigt. Ich natürlich "Nein! das geht nicht! Morgen fliegt mein Flieger und ich muss heute nach Athen! Ich bleibe nicht noch eine Nacht hier!" "Dann schauen wir uns nochmal die Blutwerte an und entscheiden dann. Du musst aber unbedingt abnehmen und weniger rauchen. In deinem Alter kannst du dir das schon noch leisten, aber sobald du auf die 40 zu gehst, musst du aufpassen!" meinte er. Und dann, ein Blick auf meine Akte. "Wie alt bist du nochmal? Ich glaub die haben einen Fehler gemacht hier." Ich so: "38" Er darauf: "Dann hören SIE sofort auf zu rauchen!"

Auch die Alkoholfrage war amüsant: "Was? SIE trinken nicht regelmässig Alkohol? Was trinken sie dann?" Weiss nicht, Wasser vielleicht?

Vollgepumpt mit Flüssigkeit und Antibiotika haben sie mich dann wiederwillig gehen lassen. Die Blutwerte waren gestiegen. Uffffffffff nochmals Glück gehabt.

Zwei Sachen nehme ich aus dem Erlebten mit.

Erstens: Die Spitäler sind in einem katastrophalen Zustand. Alles ist völlig veraltet und es gibt kein Pflegepersonal. Trotzdem konnten alle nötigen Untersuchungen gemacht werden und das in einer erstaunlich kurzen Zeit. Die Hygiene ist mehr als mangelhaft. In der Notfallstation lief eine dahergelaufene Katze rum und miaute die ganze Nacht. Die Ärzte waren sehr kompetent und irgendwie total menschlich. Auch schön mal sowas zu sehen. Es war gar nicht so schlimm und sehr spannend das mal zu sehen. Auch wenn unfreiwillig. Ich hätte meinen letzten Tag in Griechenland doch lieber anders erlebt. Aber hey, es geht mir gut, die Ärzte haben einen guten Job gemacht und das ist die Hauptsache. Auch die Patienten welche Schmerzen hatten, wurden immer sofort betreut. Darum geht es doch, wenn man in einem Spital ist. Die Angehörigen, die sind die Leidtragenden, die den ganzen Aufwand haben, sie übernehmen so zu sagen den Job des fehlenden Pflegepersonals.

Zweitens: Danke Schweiz und deinem Klima. Auch wenn ich deswegen immer nörgle... Keine Sonne das ganze Jahr, immer kalt.... ich bin mindestens 10 Jahre jünger als jede Griechin in meinem Alter :-)

Dass ich zu Fett bin und zu viel rauche, dass wusste ich vorher schon. :-)

So und nun gehe ich mal zum Hausarzt ;-)

Auf bald.
Nica


Kommentare:

  1. Ohh, liebe Nica! Es freut mich jedenfalls zu hören, daß Du wieder zu Hause und auf den Beinen bist. Gute Besserung weiterhin und sonnige Grüße,
    Sabine

    AntwortenLöschen
  2. Köstlich! Wenigstens das Spitalswesen in Griechenland ist ganz das alte geblieben wir vor 4o Jahren in Kalamata, als ich die Freundin dort als pflegende Angehörige begleitet habe...
    Ich hoffe, sonst war es auch wie immer: das Meer unsäglich blau, die Zikaden laut, die Sonne an bei Tag und Nacht, die Jemista köstlich ;-)
    Hier war der Sommer einfach nur daneben. Und seit zwei Stunden bin ich auch noch eine verwaiste Oma...
    Alles Liebe nach Züri!
    Astrid

    AntwortenLöschen
  3. Was für ein Abenteuer! Gut, dass Du es heil überstanden hast. Gute & schnelle Besserung!

    AntwortenLöschen
  4. Na Gott sei Dank bist du wieder zu Hause. Den Rest wird dein Hausarzt schon richten. Ich bin nicht so ganz sicher, ob ich so entspannt geblieben wäre da in diesem griechischen Hospital. Wenigstens sprichst du die Sprache.
    Sieh zu, dass du schnell wieder gesund wirst.

    ganz liebe Grüße und gute Besserung
    Nicole

    AntwortenLöschen